Nowruz – das persische Neujahrsfest: Am 20.3.2017 beginnt das persische Jahr 1396

Nowruz (wörtlich: neuer Tag) ist ein uralter persischer Name für den Neujahrsbeginn, das größte Fest im iranischen Kulturraum. Es fällt mit der Tag- und Nachtgleiche, dem Äquinoktium im Frühling zusammen. Daher variiert das genaue Datum, mal ist es der 20., mal der 21. März - der westliche Frühlingsanfang. Das Persische Neujahr ist auch eine Ehrerbietung an das Licht des Frühlings, das Leben spendet. Es ist das höchste Fest des Jahres: Zwei Wochen lang ruhen das öffentliche Leben, Firmen- und Schulbetriebe, um das traditionsreiche Familienfest zu feiern. Auch Nachbarn und Freunde werden besucht, um sich alles Gute zu wünschen und Geschenke auszutauschen. In Iran gilt der „Neue Tag“ als höchstes, weltliches Fest, denn hier wird Nowruz als Gleichnis von der Weltenschöpfung, der Neugeburt des Menschen und der Hoffnung begriffen. Gleichzeitig wird die Botschaft des Friedens in alle Himmelsrichtungen getragen.

Die Legende besagt, dass einst der mystische Shah Kiumarz an diesem Tag die Zeitrechnung einführte. Das Sprießen der Saaten, das Aufbrechen der Knospen und Erblühen der ersten Blumen zeigte an, dass es nach dem dunklen Winter endlich wieder aufwärts geht. In Zeiten, als allein Ackerbau und Viehzucht Lebensgrundlage waren, wurde der beginnende Frühling gleichgesetzt mit Leben.

Nowruz ist seit Jahrtausenden fest verankert im persischen Volk – ähnlich wie das christliche Weihnachtsfest. Das altiranische Fest wurde trotz der nachfolgenden Religion, dem Islam, als 13-tägiges Hauptfest der Kultur beibehalten – unverändert bis heute. Der exakte Jahreswechsel, der „Ssal Tahvil", ist an keine feste Uhrzeit gebunden, sondern wird genau im Moment der Tag- und Nachtgleiche gefeiert. Früher, als dieser meteorologische Zeitpunkt von noch nicht via Internet oder Nachrichten bekannt gegeben wurde, war es am Nowruz-Abend üblich, dass der Haji Firouz - ein schwarz geschminkter Mann in leuchtend rotem Gewand - kurz vorher tanzend und singend durch die Straßen sprang, um die Ankunft des Neujahrs zu verkünden.

 

Überlieferungen lassen darauf schließen, dass das „Eyde Nowruz“ seit mindestens 3.000 Jahren gefeiert wird. Als eines der ältesten Feste der Menschheit nahm die UNESCO den Nowruz-Tag im Jahr 2009 in die Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit auf.  Darüber hinaus ist es seit 2010 von den Vereinten Nationen als Internationaler Nowruz-Tag (21. März) anerkannt.

 

Die erste persische Dynastie der Achämeniden (559 – 330 v. Chr.) nahmen vor über 2500 Jahren das Nowruzfest zum Anlass, die tributpflichtigen Völker in der Empfangshalle von Persepolis, der Apadana, aufmarschieren zu lassen, um dem Großkönig zu huldigen und ihm gleichzeitig ihren Tribut abzuleisten. Die jährlich wiederkehrende Prozession, die in Stein gemeißelt erhalten blieb, ist so detailgetreu, dass sie sogar Einblick gewährt in die damaligen Trachten der verschiedenen Stämme, die mehr oder weniger freiwillig zum persischen Großreich gehörten. Auch die Waren, die die Stammesfürsten als Steuern beim Nowruzdefilée übergaben, sind genau erkennbar.

Zum Jahreswechsel feiert die Familie an einer festlichen Tafel mit Musik, Tanz und Geschenken ins neue Jahr hinein. Da Nowruz zugleich ein Fest der Versöhnung ist, besucht man sich in den nächsten 13 Tagen gegenseitig und legt alten Hader endlich bei. Traditionell wird zum Fest neue Kleidung angelegt und zum Essen Sabzi Polo ba Mahi, Dillreis mit Fisch, kredenzt.

 

Größte Bedeutung hat das prunkvolle „Sofreyeh-Haft Sin“, die „Tafel der sieben „S“, deren Gegenstände Fruchtbarkeit, Wachstum und Prosperität symbolisieren und auch berufen sollen. Interessant ist die mystische Zahl 7, die seit alters her mit Symbolik befrachtet ist, erstmalig nachzulesen in der siebentägigen Erschaffung der Welt. Zu den sieben Symbolen gehören:

 

Sib: der Apfel steht für einen gesunden Körper

Sonbol: die duftende Hyazinthe gilt als Symbol der Schönheit

Sekkeh: Münzen versinnbildlichen und fordern Reichtum ein

Sendjed: die Mehlbeere steht für die Saat des Lebens, Freude und Fruchtbarkeit

Sir: der Knoblauch ist das Symbol für Schutz und immerwährende Gesundheit

Serkeh: Essig steht für Fröhlichkeit

Somagh: Gewürzsumach symbolisiert den Geschmack des Lebens

 

Unerlässlich ist das Sabzeh, grün sprießende Sprossen, die etwa zwei Wochen vor dem Fest gezogen worden sind, meist von Linsen oder Weizen. Das Grün soll die lang entbehrte Farbe des Frühlings ins Haus holen und für eine gute Ernte sorgen. Ein im Wasser schwimmender Goldfisch (Mahi ghermez) soll im neuen Jahr Nahrung und Wasser im Überfluss bewirken. Vor allem darf ein Spiegel auf nicht fehlen, denn er gilt seit zarathustrischen Zeiten als Symbol des Lichtes und der Reinheit. Mittelpunkt des Arrangements ist ein heiliges Buch: Bei gläubigen Moslems ist es meist der Koran, bei Zoroastriern die Avesta, sonst der Divan von Hafez oder das Shahnameh von Ferdowsi. Unter dem Spiegel liegend soll es den Geist Gottes, der Weisheit und der Poesie in die Welt reflektieren. Honig, Baklava und bunte Eier versinnbildlichen ein glückreiches und fruchttragendes Jahr. 

 

Die Nowruzfestivitäten beginnen schon am Abend zum letzten Mittwoch des Jahres. Das „Tshar shanbeh suri“-Fest ist meist ein ausgelassenes Spektakel mit einem wichtigen Ritual: dem reinigenden Feuerspringen. Dazu werden sieben Reisighaufen entzündet, über die jeder springt. So lässt man symbolisch alle "Blässe" hinter sich und nimmt das lodernde Rot des Feuers mit sich - alles Negative aus dem scheidenden Jahr bleibt im Feuer, welches zugleich sein Leuchten und seine Lebenskraft abgibt.

 

Der letzte Festtag ist der 13. Tag des neuen Jahres. Traditionell begeht man ihn außerhalb seines Hauses, um so alles Unglück symbolisch davon fernzuhalten - „siezdeh bedar“ bedeutet „13 vor der Tür“. Die Familien treffen sich zum Picknick im Grünen. Die allmählich welkenden „Sabzeh“-Keimlinge werden mitgenommen, heiratswillige Mädchen knoten Grasbüschel zusammen, mit der Beschwörung, an dieser Stelle im kommenden Jahr verheiratet zu sein. Wenn jeder seinen Herzenswunsch in die Grashalme geknotet hat, wird das Grün in ein fließendes Gewässer geworfen.